Montagnacht war es amtlich: Die deutsche Fußball Nationalmannschaft war krachend aus der WM ausgeschieden. Die Enttäuschung in Fußball-deutschland war riesig. Die Erwartungen waren hoch – bei Fans, Medien und natürlich auch innerhalb der Mannschaft selbst. Wochenlange Vorbereitung, intensives Training und trotzdem reichte es nicht.

Ähnliche Situationen kennen wir auch aus unserem Berufsleben – auch wenn uns nicht ganz so viele Menschen bei der Arbeit zuschauen 😉 Du investierst viel Zeit in ein Projekt und erhältst trotzdem kritisches Feedback. Du gibst dein Bestes für einen Kunden, doch er ist am Ende unzufrieden. Oder deine Führungskraft sieht vor allem das, was noch fehlt, statt das, was bereits gelungen ist. Nicht immer können wir die Erwartungen, die an uns gestellt werden, erfüllen.

Noch schwieriger ist es mit den Erwartungen, die wir selbst an uns stellen. Denn: Der strengste Kritiker sitzt oft im eigenen Kopf. Viele Menschen, die ich im Coaching begleite, sind leistungsstark, engagiert und verantwortungsbewusst. Genau diese Eigenschaften führen jedoch manchmal dazu, dass sie ihre eigenen Ansprüche kaum zufrieden stellen können.

Gedanken wie:

  • Ich muss perfekt sein.
  • Ich darf keine Fehler machen.
  • Ich muss alle zufriedenstellen.
  • Ich hätte noch mehr leisten müssen.

werden zu inneren Antreibern. Das Problem: Egal wie viel sie erreichen – es fühlt sich selten ausreichend an. Dabei würden dieselben Menschen einer Kollegin oder einem Kollegen nach einem Fehler sofort Mut zusprechen und Verständnis zeigen. Sich selbst behandeln sie dagegen oft gnadenlos.

Ein hilfreicher Perspektivwechsel besteht darin, unsere Überzeugungen oder Glaubenssätze einmal bewusst zu hinterfragen, z.B. Ist eine Erwartung wirklich realistisch? Wird etwas wirklich von mir erwartet oder mache ich mir selbst Druck? Gerade, wenn ich selbst zu übertriebenem Perfektionismus neige, hilft auf jeden Fall eine gute Auftragserklärung. Was wird wirklich erwartet und wo beginnt die Übererfüllung. Gerade in Zeiten hohen Worksloads kann dieser Punkt ein wertvolles Zeitbudget freisetzen.

Richte den Blick zudem auf deinen tatsächlichen Einflussbereich. Du kannst beeinflussen:

  • wie gut du dich vorbereitest,
  • wie klar du kommunizierst,
  • wie sorgfältig du arbeitest,
  • wie du mit Rückschlägen umgehst.

Du kannst jedoch nicht vollständig beeinflussen:

  • wie andere Menschen deine Leistung bewerten,
  • welche Erwartungen sie an dich haben,
  • oder welche äußeren Umstände eintreten.

Diese Unterscheidung schafft oft eine enorme innere Entlastung.

Eine kleine Übung für deinen Alltag

Wenn dich das nächste Mal eine Enttäuschung oder Kritik beschäftigt, nimm dir fünf Minuten Zeit und beantworte diese Fragen:

  1. Welche Erwartung wurde gerade nicht erfüllt?
  2. War diese Erwartung realistisch und hilfreich?
  3. Was lag in meinem Einflussbereich?
  4. Was lag außerhalb meiner Kontrolle?
  5. Was ist die wichtigste Erkenntnis, die ich aus dieser Situation mitnehme?

Du wirst feststellen: Oft entsteht der größte Druck nicht durch das Ereignis selbst, sondern durch die Geschichte, die wir uns darüber erzählen.

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